MGV "Cäcilia" von 1887 Handorf

 

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Von der Historie bis zur Gegenwart


Im Jahre 1886 fassen mehrere sangesfreudige Mitglieder der „Sodalität“ (Genossenschaft) Handorf den Entschluss, zum Abschied des Vikars August Würmeling, der von Handorf nach Hauenhorst bei Rheine versetzt wird, mit einem mehrstimmigen Lied aufzuwarten. In der Gaststätte Lobermann heute Eynck´s Deutscher Vater berufen sie eine Versammlung ein, die einen solchen Anklang findet, dass nicht alle Sangesinteressierten angenommen werden können.
 
Immerhin ist das Wersedorf Handorf anno 1886 nur eine kleine Bauerngemeinde. Der Kern des Dorfes besteht aus einigen Ackerbürgern und Handwerkern. Die Ruhe und Abgelegenheit des Dorfes –der Prinzipalmarkt von Münster ist zu dieser Zeit noch weit entfernt- mag einige Männer über die Verabschiedung des Vikars hinaus dazu bewegen, sich in einer Gemeinschaft zusammenzufinden, die insbesondere das Volkslied pflegen will.
 
Für eine Gemeinde von 600 Einwohnern jedenfalls ist die Resonanz überwältigend. Unter der Leitung des damaligen Lehrers Bernhard Bücker wird eine lockere Sängergemeinschaft gebildet. Interessant ist die Geschichte des ersten Liedes. Einer der Sänger, der Vater des späteren Ehrenvorsitzenden Schwakenberg, kennt von seiner Warendorfer Zeit her eine Stimme eines dreistimmigen Liedes, das man in Warendorf zur Verabschiedung eines Pfarrers gesungen hatte. Die beiden fehlenden werden kurzerhand dazu komponiert. Für die musikalische Tat zeichnete wahrscheinlich August Caspers verantwortlich, der schon in seiner Jugend als Bataillons-Tambour im Infantrie-Regiment 13 in Münster seine musikalischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt hatte. Leider ist dieses Lied verlorengegangen.
 
Schon kurz darauf, im Herbst 1886, tritt die lockere Handorfer-Sängergemeinschaft wieder auf den Plan: Zur Einführung des Pfarrers Ferdinand Specht, der die infolge des Kulturkampfes seit 1875 fortdauernde Vakanz der Pfarrstelle in dem Wersedorf beendet. Die Begeisterung für den Gesang wird nun so groß, dass man im Frühjahr 1887 an Stelle der lockeren Vereinigung einen richtigen Gesangverein gründete, der sich zunächst in erster Linie der Kirchenmusik widmete. Daneben wird auch das deutsche Liedgut, vor allem das Volkslied, besonders gepflegt. Bis zum Jahr 1939, als der zweite Weltkrieg ausbricht, bildet der Verein gleichzeitig den Kirchenchor der St. Petronilla Pfarrgemeine. Dirigent ist der schon oben erwähnte August Caspers. Der Verein erhält den Namen „Gesangverein Handorf“
 
Im Jahre 1907 tritt der Verein in ein neues Stadium. Vor allem der sangesfreudige Pfarrer Heinrich Eckervogt tritt für den Verein ein und gibt ihm ein festes Gefüge. Der Verein nennt sich von nun an „Cäcilia Handorf“.
Wenn vorher nur nach Bedarf Übungsstunden angesetzt worden waren, so probt der Chor fortan regelmäßig einmal in der Woche. Im Jahre 1912 feiert der Chor sein 25jähriges Jubiläum. Dirigent Lehrer Bernhard Bücker und Vorsitzender August Caspers legen aus Altersgründen ihre Ämter nieder. Beide werden zu Ehrenvorsitzenden ernannt.
Von nun an übernimmt der ausgebildete Küster und Organist Aloys Bücker, der dem Chor neue Impulse gibt, den Dirigentenstab. Der Chor nimmt verschiedentlich an auswärtigen-beispielsweise in Telgte, Wolbeck und Westbevern-teil. Vorsitzender wird Theodor Schwakenberg.
 
Dann kommt der erste Weltkrieg und legt für vier Jahre das Vereinsleben still. Vier Mitglieder kehren nicht zurück: Heinrich Krimhove, Hugo Deipenbrock, Hermann Rolf und Bernhard Krimphove, der an den Folgen der Kriegsstrapazen stirbt.
Unmittelbar nach dem Kriege setzt die Tätigkeit des MGV „Cäcilia“ wieder ein. Die Übungen finden abwechselnd bei Pröbsting und Bitter statt. Das Winterfest des Vereins mit Theateraufführungen der Spielgruppe am zweiten Weihnachtstage wird zu einem regelmäßigen Volksfest.
Im Rahmen des 40jährigen Jubelfestes im Sommer 1927 in der Scheune bei Pröbsting, an dem mehrere auswärtige Vereine teilnehmen, erhält der Chor seine heutige Vereinsfahne. Am 26. November 1929 verliert der MGV seinen Dirigenten Aloys Bücker. Sein früher Tod hinterlässt eine Lücke, die nur schwer zu schließen ist. An seine Stelle treten in kurzen Abständen die Dirigenten Mannesmann, Schriewers, Drieves und Hermann Gehring, der den Verein ein Jahr lang dirigiert.
Unter seiner Leitung nimmt der Chor einen großen Aufschwung und veranstaltet die ersten größeren Konzerte. Sein Nachfolger wird der neue Küster und Organist Hermann Schroer. Unter seinem Dirigat besucht der Chor erstmals in seiner Vereinsgeschichte einen Gesangswettstreit in Rheine – und zwar mit gutem Erfolg. Es soll für lange Zeit der einzige Wettstreit bleiben.
Im Jahre 1937 findet in Handorf anlässlich des 50jährigen Bestehens des MGV “Cäcilia“ ein großes  Sängertreffen statt, an dem 14 benachbarte und befreundete Chöre teilnehmen. Der MGV zählt 22 Sänger. Den Vorsitz hat als Nachfolger von Heinrich Herweg und später Josef Herwig, beide zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden, nun Hermann Retkamp inne . Das 50jährige Jubiläum wird mit einem großen Festzug aller teilnehmenden Vereine und einem Festkonzert gefeiert.
 
Auch der zweite Weltkrieg bringt für den Verein wieder eine Zwangspause mit sich. Heinrich Gausepohl, Hermann Schwakenberg, Hermann Schroer und August Wiegert kehren nicht zurück. In der schweren Zeit, im Jahre 1946, ergreift der alte Vorstand unter dem Vorsitzenden Hermann Retkamp die Iniative zu neuem Vereinsleben. Dank der unermüdlichen Werbearbeit war es möglich, schon am 19. Februar 1946 die ersten Nachkriegs-Gesangstunden abzuhalten.
 
Infolge der Kriegseinwirkungen gehen die Gründungsstatuten des Vereins verloren. Trotz eingehender Forschung können sie nicht wieder gefunden werden. Deshalb müssen am 18. Februar 1947 die Statuten neu festgelegt werden. Das geschieht in der ersten Generalversammlung nach dem Krieg.
 
Das Vereinslokal Bitter 1946 zunächst noch von den Besatzungstruppen besetzt ist, wird zunächst bei Micklinghoff (Deutscher Vater) geprobt. Die durch die nähe des Militärflugplatzes und die Kaserne bedingten Bombenabwürfe und Tieffliegerangriffe haben Handorf teilweise beträchtliche Schäden zugefügt.
Hermann Gehring wird wieder Dirigent. Zahlreiche Sangesfreunde finden den Weg zum MGV “Cäcilia“. In kurzer Zeit wächst die Vereinsstärke auf mehr als 40 Sänger. Der erste öffentliche Auftritt nach dem Kriegsende in der Pfarrkirche gilt dem Gedenken an die Gefallenen. Das erste Konzert folgt im Südmühlenhof. Die Familienfeste des Vereins- zunächst in Pfleistermühle- werden zu beliebten Mittelpunkten im Nachkriegs-Handorf.
 
Anno 1947 kann der Verein auf sein 60jähriges Bestehen zurückblicken. Beim Wettstreit am 04. September in der Halle Münsterland glänzen die Sänger mit einem ersten Preis im Klassensingen, den zweiten Preis im Ehrensingen und den ersten Preis sowie dem Dirigentenpreis im Haupt-Ehrensingen.
 
Ausgezeichnet schneidet der Chor im Jahre 1951 bei einem Gesangswettstreit der „Polyhminia“ Altenberge aus Anlass deren 30jährigen Bestehen ab. Ein einmaliger Erfolg: In der zweiten Landesklasse erringt der MGV „Cäcilia“ sämtliche Preise. Der 03. Juni 1951 ist damit einer der stolzesten Tage in der Vereinsgeschichte der Sänger. Lohn für wochenlange harte und intensive Arbeit. Die da gebrachten Lieder stehen im selben Jahr auch im Mittelpunkt eines großen Herbstkonzertes im Saale Pröbsting. 1951 stirbt der letzte Mitbegründer des Vereins, Ehrenvorsitzender Theo Schwakenberg. Aus Anlass des 65jährigeen Bestehen findet zwei Jahre später eine Ehrung verdienter Jubilare statt.

Im Jahr 1957 dirigiert Chormeister Hermann Gehring den MGV „Cäcilia“ auf einem Gesangswettstreit in Appelhülsen zum letzten Mal. Danach legt der verdiente Chorleiter aus Alters-und Krankheitsgründen die Stabführung nieder. Auf der Generalversammlung am 01. Februar 1958 ernennen ihn die Sänger einstimmig zum Ehrendirigenten.
Zu Beginn des Jahres 1958 übernimmt Chordirektor Franz Anfang die musikalischen Geschicke des Vereins. Am 07. Februar 1958 findet die erste Gesangstunde unter seiner Leitung statt.
Im März 1970 wird das große musikalische Können Franz Anfangs und seine langjährigen Verdienste um den Deutschen Männergesang mit der Verleihung des Titels „Chordirektor ADC“ durch die Prüfungskommission Deutscher Chorverbände belohnt. Für den MGV „Cäcilia“, der diese Auszeichnung beantragt hatte, ist dies neuer Ansporn zu noch besseren gesanglichen Leistungen. Anlässlich der Verleihung erscheint der Vorstand am 06. März 1970 in schwarzen Anzügen und silbergrauen Kravatte zur Gesangstunde. In der Mitte des Saales steht ein Tisch, mit Blumenschmuck dekoriert. Unter großem Beifall überreicht der Ehrenvorsitzende Hermann Retkamp Franz Anfang den gesetzlich geschützten Titel“Chordirektor ADC“ für seine langjährigen Verdienste um den deutschen Männergesang.
Jedoch ein Jahr später, im Juni 1971 schwebt ein dunkler Schatten über dem Verein. Der plötzliche Tod des Chorleiters Franz Anfang erschüttert den MGV so stark, dass danach ein echter Leistungsabfall zu verzeichnen ist.
 
In dieser schwierigen Situation können die Handorfer den Chorleiter Rainer Schaphorn aus Münster verpflichten, der die Sänger seit 1972 dirigiert – und zwar mit sehr großem Erfolg - . Auf der Generalversammlung am 14. Februar 1975 wird Erich Nolle zum Vorsitzenden und somit Nachfolger von Helmut Günter gewählt.  
 Die jüngere Geschichte des Männergesangverein ab 1987
 Das 100jährige Bestehen des MGV wurde am 03. Mai 1987 mit großem Aufwand, vielen Konzerten und Ehrungen gefeiert, nach zu lesen in der Festschrift zu diesem Ereignis.

 

Mittlerweile sind 25 Jahre ins Land gegangen, es hat viele Veränderungen in der Welt und in Deutschland gegeben, wie zum Beispiel der Wechsel von der D-Mark hin zum EURO in 2001. Veränderungen gab es aber auch im MGV.

 

So wurde der  seit 1972 tätige Chorleiter Rainer Schaphorn, im Jahr 1996 durch eine Prüfungskommission des Deutschen Chorverbandes  zum Chordirektor ADC  befördert.  In der Zeit von 1987 bis zu seinem Ausscheiden hat der Chor unter seinem Dirigat noch viele Konzerte veranstaltet, von denen hier nur einige der vielen genannt werden sollen:

 

Teilnahme am Bundesleistungssingen in der Siegerlandhalle in Siegen am 04.06.88;  Teilnahme am Herbstfest des Liederhort Sudmühle am 18.09.88 und ein Konzert im Wildparkrestaurant Pröbsting unter dem Motto “Komm- hör zu- sing mit im  Chor” am 28.10.90.

Weiter ging es zwei Jahre später,  am 29.11.92 - ebenfalls bei Pröbsting- mit dem Russischen Folklore-Konzert. Im Jahr 1995 folgte dann ein Konzert mit dem Titel “Wien bleibt Wien “  Das letzte größere Konzert unter dem Dirigat von Rainer Schaphorn fand im Haus Münsterland unter dem Motto”  Eine musikalische Reise um die Welt” statt. Im Jahr 2003 legte er schließlich sein Amt aus Altersgründen nieder.

Der seit 2003 tätige Chorleiter Georg Höing gestaltete das erste größere Konzert seit seinem Amtsantritt zum Gedenken an Fanny Hensel, geb. Mendelssohn-Bartholdy in der Erpho- Kirche am 13.11.2005.  Drei Jahre später feierte der MGV sein 120jähriges Bestehen im Haus Münsterland. Und am 26.04.2008 fuhren die Sänger nach Arnsberg- Neheim und nahmen dort am Volksliederwettbewerb teil.

Sie erzielten einen zweiten Platz und nahmen einen Silberpokal II A. mit nach Handorf zurück. Infolge von Umstrukturierungsmaßnahmen in der Lützow Kaserne verlor der MGV das Haus Münsterland als langjährige Probenstätte.  Das Haus Münsterland wurde  geschlossen und zu dem kündigte Georg Höing in 2009 sein Dirigat.

Es war ein Glücksfall, dass bei einem Besuch von Erich Nolle und Ludwig Brennecke - anlässlich einer Chorprobe vom Liederhort Sudmühle -  ein Gespräch mit Thomas Módos geführt werden konnte, mit dem Erfolg, dass der MGV ab diesem Zeitpunkt einen Profi als Chorleiter verpflichten  konnte.

Beim ersten öffentlichen Auftritt des MGV nach der Verpflichtung von Thomas Modus anlässlich des Advents- und Weihnachtsliedersingen im Handorfer Hof und danach beim Cäcilienfest in der Pfarrkirche St. Petronilla, konnten die Sänger und Zuhörer erkennen, was das doch kurze Dirigat für Erfolge erzielt hatte.

Der letzte Beweis der Verbesserung des Gesanges  - in dem bis auf den letzten Platz ausverkauften Saal im Haus Münsterland -lieferte am 17.07.2011 das Konzert  unter dem Motto: Meisterwerke aus der Welt der Oper und Operette  mit Standing Ovation zum Schluss des Konzertes.

Auch beim Vorstand gab es in 25 Jahren Veränderungen. Im Jahr 1992 wurde als Nachfolger von Hermann Feldmann Günther Gottlob zum ersten Vorsitzenden gewählt. Sieben Jahre später trat Hermann-Josef Becker die Nachfolge an.

In 2003 folgte ein weiterer Wechsel in der Vereinsführung und Winfried Drewer übernahm für ein Jahr die Verantwortung.  Seit 2004 bis zum jetzigen Zeitpunkt ist Ludwig Brennecke 1. Vorsitzender.

Auch in den 25 Jahren gab es bei den Sängern viele Ehrungen. An erster Stelle sei genannt Heinrich Wiegert der für 70 Jahre singen im MGV geehrt wurde. Heinrich wird im Jubiläumsjahr 93 Jahre alt und kann immer noch hervorragend im zweiten Bass singen. Für 30 Jahre als Notenwart wurde Michael Donnerstag geehrt.

Die Chorgemeinschaft war damals und ist auch heute in der Region um Handorf kulturell und gesellschaftlich ein fester Bestandteil. Neben der musikalischen Arbeit kommt auchdie Geselligkeit nicht zu kurz. Mehrtägige Ausflüge, Pättkestouren und dieAusrichtung verschiedener Feste werden beispielhaft genannt. Unterstützt wirdunsere Arbeit durch eine große Zahl fördernder Mitglieder.

(An dieser Stelle sei allen für Ihre großzügige Unterstützung und Spenden noch einmal von Herzen gedankt). Der MGV „Cäcilia“ 1887 Handorf ist bestrebt, mit seinen Aktivitäten Interesse zu wecken und neue Mitglieder ob Aktiv oder Inaktiv für den Chor zu gewinnen.

                                                                                                         Ulrich Schroeder

                                                                                                                                                      






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